Das Casino hat nicht immer recht

AGB im Casino

Schon mal eine negative Erfahrung im Casino gemacht? Willkommen im Club. Ob online oder in der Spielbank, jeder, der häufiger spielt, ist vielleicht mal an einen Punkt gekommen, an dem er mit dem Casino unzufrieden war. Ob ein Softwarefehler bei Freispielen, ein schwarzer Bildschirm oder gar ein einbehaltener Gewinn. Manche Casinos machen es Kunden nicht leicht. Und andere Casinos glauben leider, dass sie mit Allem durchkommen. Natürlich wird hierbei immer auf die AGB verwiesen, und am Ende geben viele Spieler klein bei. Warum man um Gewinne und bei Fehlern, die das Casino zu verantworten hat, kämpfen sollte, beweist die unglaubliche Geschichte des Schweizers Behar Merlaku.

David gegen Goliath

Dieser Fall selber liegt etwas länger zurück und passierte im Casino Bregrenz. Diese Spielbank gehört wie viele andere zur Casinos Austria AG. Casinos Austria ist nun nicht Irgendwer, sondern einer der größten österreichischen Steuerzahler. Die Gewinne liegen jedes Jahr im dreistelligen Millionenbereich. Ein so großer Konzern ist ohne Frage einflussreich und kann sich eine ganze Armee an Juristen halten. Merlaku hingegen ist Fliesenleger. Ein ganz normaler Casinokunde also.

43 Millionen € Gewinn… oder doch nicht?

Im März 2011 besuchte Merlaku zusammen mit seiner Frau eben jenes Casino. In den frühen Morgenstunden konnte das frisch verheiratete Ehepaar Ihr Glück kaum fassen. Laut anzeige hatten Sie soeben 42.949.672 Euro € gewonnen. Doch die Freude währte nur kurz. Mitarbeiter des Casinos informierten den vermeintlichen Millionär, dass hier ein Softwarefehler vorliege. Der maximal mögliche Gewinn mit dem Slot, den Merlaku gespielt hatte, betrüge nur 4.500 €. Der Schweizer lies sich sich hierauf aber nicht ein und verständigte die Polizei. Zu seinem Glück filmte er zudem die Anzeige sowie die Casinomitarbeiter, die sich an dem Automaten zu schaffen machten.

Die Polizei konnte jedoch nicht weiter helfen, denn gemäß der Casino-AGB gehe alles mit rechten Dingen zu. Man bot ein Dinner für ihn und seine Frau sowie ein paar € Spielgeld fürs Casino an. Darauf lies sich Merlaku nicht ein, schnappte sich einen Anwalt und zerrte die Casino Austria vor Gericht. Bei 43 Millionen Euro Streitwert kommen enorme Gerichtskosten auf einen Kläger zu, weshalb er zunächst 5 Millionen forderte. Casino Austria lenkte ein wenig ein und bot 500.000 €, wenn man sich denn außergerichtlich einigen würde. Doch der Schweizer blieb hart. Am Ende einigten sich die Parteien dennoch außerhalb des Gerichtssaals und Merlaku erhielt rund 1 Million €.

Recht haben und Recht bekommen

Dieser Fall ist aus verschiedenen Gründen interessant. Sachlich war Casino Austria im Recht. Der entsprechende Automat kann gar nicht eine solche Summe auszahlen, weshalb dieser Gewinn nichts anderes als ein Anzeigefehler ist. Gerade bei Jackpot-Slots werben Casinos aber mit der Möglichkeit, einen immensen, riesigen Gewinn nach Hause zu nehmen. Dass der Maximalgewinn nur 4.500 € betragen könne, konnte dem Spieler nicht bewusst sein. Kulanz ist bei Casinos immer so eine Sache. Gerne werden Casinokunden mit Peanuts abgespeist wie auch in diesem Fall. Das zweite Angebot klang da schon deutlich besser. Die Schweizer Zeitung blick.ch führte hierzu eine Umfrage unter Ihren Lesern durch. Wenn Sie das Angebot über 500.000 € erhalten hätten – wie würden Sie sich entscheiden. Die Mehrheit der Teilnehmer hätte sich auf diesen Kuhhandel eingelassen.

Eine Million € ist zwar nur ein Bruchteil der 43 Millionen, die ihm angezeigt wurden, aber dennoch ein fantastischer Gewinn. Die sechs Monate Tauziehen haben sich definitiv gelohnt.

Was tun, wenn das Casino nicht auszahlen will?

Alles muss dokumentiert werden. Auch wenn es in einem richtigen Casino eigentlich verboten ist zu filmen: Tu es. Neben Bild und Video-Beweisen brauchst du auch Zeugen. Notiere dir Telefonnummer, Name und E-Mail. Und lasse dich nie auf das erste Kulanzangebot ein. Bleibe höflich. Wenn du in Deutschland oder Österreich im Kasino oder in der Spielothek spielst, dann wende dich außerdem direkt an einen Rechtsanwalt.

Wenn ein Onlinecasino nicht auszahlt

Im Internet ist die Situation natürlich komplizierter. Die meisten Glücksspielunternehmen haben Lizenzen in Malta, Gibraltar oder anderen Steueroasen. Wo genau, haben wir übrigens in dieser Übersicht zusammengefasst.

Der erste Schritt lautet auch hier: Dokumentiere alles. Mache Screenshots, archiviere E-Mails, Einzahlungsbelege, die Kommunikation mit dem Kundendienst. Bleibe freundlich, aber bestimmt. Viele Casinos werden dich um ein Telefonat bitten. Dies mag hilfreich sein – aber schriftlich ist immer sicherer.

Die AGB des Onlinecasinos

Dazu solltest du auch die AGB des Casinos mit Datum sichern. Es ist nicht auszuschließen, dass der entsprechende Anbieter nach dem Vorfall Änderungen vornimmt. Bei nahezu allen Promotionen oder Bonusangeboten etwa findest du einen Passus, der dies dem Casino gestattet. Doch dass muss nicht rechtswirksam sein. Achte darauf, sowohl die deutsche als auch englische Sprachversion mit Datum in Form von Screenshots zu dokumentieren. Nach maltesischem Recht ist zum Beispiel nur die englische Version maßgebend. Doch wenn in den deutschen AGB etwas ganz anderes steht, dann könnte das Casino seine Sorgfaltspflicht verletzt haben.

Jedes Casino wird von Regulierungsbehörden lizenziert und kontrolliert. Diese sind jedoch leider zumeist auf Seiten der Glücksspielanbieter und brauchen extrem lange, um Sachverhalte zu klären. Zudem erfolgt die gesamte Kommunikation in englischer Sprache. Rat findest du in Foren wie Askgamblers, Casinomeister oder aber auch bei uns. Wir haben einen ausführlichen Ratgeber zum Thema „Hilfe ich habe im Casino gewonnen„. Schildere uns deinen Fall als Kommentar, und wir können ebenfalls helfen. Rechtliche Unterstützung kann dir aber nur ein Rechtsanwalt leisten.

 

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