Casinos als Datenkrake?

Leider konnte Ihre Auszahlung nicht angewiesen werden. Bitte senden Sie eine Kopie Ihres Ausweises, eines separaten Adressnachweises sowie einen Screenshot Ihres Bankkontos an Kundendienst@beispielcasino.com.“ Sicherlich jeder Spieler eines Onlinecasinos hat schon mal eine solche oder ähnliche E-Mail bekommen. Einzahlungen gehen immer problemlos durch, doch sobald wir auch nur einen kleinen Betrag auszahlen möchten, scheinen Casinos unser Geld behalten zu wollen.

Verbirgt sich dahinter eine geschickte Masche, um uns Spieler doch dazu zu bewegen, unsere Auszahlung abzubrechen und unsere Gewinne wieder zu verzocken? Oder sind Casinos tatsächlich durch die zuständigen Regulierungsbehörden dazu verpflichtet, die Identität Ihrer Kunden sowie die Rechtmäßigkeit der Transaktionen sicher zu stellen?

Gründe für Dokumentenanfragen

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Natürlich gibt es auch in der Casinoindustrie schwarze Schafe, die Ihren Kunden selbst kleinste Gewinne nicht gönnen und die Auszahlungen so kompliziert wie möglich gestalten. Und es gibt leider genug Spieler, die in der Aussicht auf noch mehr Gewinne ihre Auszahlung abbrechen und so das Online Casino für die lange Bearbeitungszeit belohnen. 

KYC

Einer der Hauptgründe für die Verifizierungen lautet KYC. Diese Abkürzung steht für „Know Your Customer“, zu Deutsch „Kenne deinen Kunden“. Spätestens seit dem 11. September 2001 stehen einige Webseiten im Verdacht, Geldwäsche oder gar die Finanzierung illegaler Aktivitäten wie zum Beispiel Terrorismus zu ermöglichen. Wie das? Person XYZ eröffnet ein Konto im Casino ABC. Er zahlt mit Paysafekarten, die er anonym an der Tankstelle oder vielleicht sogar in Portalen im Internet erworben hat, auf dieses Casinokonto ein. Die Gewinne sendet er aber nicht auf sein eigenes Konto, sondern auf das einer anderen Person. Schon ist die Herkunft der Gelder verschleiert, das Geld gewaschen.

Spielsüchtige, Minderjährige und Länder mit Glücksspielverbot

Darüber hinaus haben Casinos aber auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber Ihren Kunden. Spielsüchtigen oder Minderjährigen ist der Zugang zu verweigern. Außerdem ist sicherzustellen, dass die Gesetze des Landes, aus dem Kunden ein Casino zu nutzen zu versuchen, eingehalten werden. Die Türkei zum Beispiel lässt überhaupt kein Glücksspiel zu. Um sicherzustellen, dass Kunden nicht aus der Türkei (etwa durch einen Proxy) spielen, können Casinos in Verdachtsfällen Dokumente anfordern.

Verifizierung von Zahlungen

Wichtig ist zudem, ausschließlich Zahlungsmethoden zu verwenden, die im eigenen Namen laufen. Ob PayPal, Kreditkarte oder Skrill-Konto: Niemals sollten Casinospieler mit Zahlungsmethoden ein- oder auszahlen, die nicht im eigenen Namen laufen. Schon viele Casinos haben in solchen Fällen die Konten einfach geschlossen und das Geld einbehalten. Dies ist zwar rechtlich in einem Graubereich, aber selbst die großen Casinoportale wie Casinomeister oder askgamblers haben es selten geschafft, das Guthaben der Kunden zurück zu gewinnen. Auch das Einschalten eines deutschen Rechtsanwaltes bringt in der Regel nicht viel, sondern führt zu noch höheren Kosten.

Chargebacks

Aber warum müssen Casinos überhaupt Zahlungen verifizieren? Ein wichtiger Grund sind neben KYC die sogenannten Chargebacks. Ein Chargeback ist eine durch den Kunden veranlasste Rückbuchung. Gerade mit dem PayPal-Käuferschutz ist dies schnell machbar. 100 € online eingezahlt, nichts gewonnen, und dann auch noch den Bonus verzockt. Der Frustrationslevel ist hoch. Warum also nicht PayPal kontaktieren und den Betrag zurückfordern? Gleiches gilt auch mit Einzahlungen mit Kreditkarte, sofern diese nicht 3D-Secure waren, sowie mit SOFORT Überweisung und giropay. Ein Anruf bei der Bank, und der Betrag wird dem eigenen Konto wieder gutgeschrieben. Indem du als Kunde deine Dokumente sendest, können Onlinecasinos und andere Glücksspielanbieter bei Chargebacks besser diese gegen die Bank verteidigen.

Wir möchten dir in jedem Fall von einem Chargeback abraten, da dieses automatisch zu Einträgen in Datenbanken wie iovation führt und du dann bei anderen Casinos Probleme haben wirst. Vielversprechender sind freundliche Mails an den Kundendienst oder aber Kontaktaufnahme mit uns. Wir können fast immer vermitteln.

Multiaccounts und Mehrfachkonten

Mit Dokumentenanfragen können Casinos auch sogenannte Doppelkonten oder Multiaccounts verhindern. Du solltest niemals ein zweites Konto beim gleichen Casino eröffnen. Dies könnte eine Stornierung deiner Gewinne oder ein Einbehalten deines Guthabens zur Folge haben könnte. Falls du nicht sicher bist, ob du bei einem Casino bereits ein Konto hast, kontaktiere erst deren Kundendienst.

Missbrauch von Bonusaktionen

Ein weiterer Grund für den Dokumentenwahn der Casinos liegt im zunehmenden Missbrauch von Bonusaktionen. Zugegeben, es ist ja auch verführerisch, einen Einzahlungsbonus gleich mehrmals wahrzunehmen. Doch mit den Dokumenten wird dies erschwert. Bitte komme auch nicht auf die Idee, von der gleichen IP etwa für deine Mitbewohner oder anderen Familienangehörigen Konten zu eröffnen – auch dies kann in die Hose gehen. Übrigens können selbst Computer anhand der MAC-Adresse, die bei jedem PC einmalig ist, identifiziert werden.

Da es jedoch viele gute Online Casinos mit kostenlosem Startguthaben und Freispielen gibt, ergeben Doppelkonten auch so keinen Sinn.

Abweichungen bei IP-Adressen, neue Zahlungsmethoden, allgemeine Auffälligkeiten

Nahezu jedes Casino hat eine eigene Sicherheitsabteilung, meistens auch als Risk & Fraud Department bezeichnet. Diese Überwachen alle Kontoaktivitäten. Wenn du, nachdem du über 2 Jahre höchstens 10 € per Paysafeklarte eingezahlt hat, plötzlich innerhalb von 2 Tagen mit 5 verschiedenen Kreditkarten dein Konto auflädst, solltest du dich nicht wundern, wenn plötzlich beim Casino die Alarmglocken schrillen.

Kriminelle Aktivitäten

Darüber hinaus gibt es auch Onlinebetrüger, die mittels Identitätsdiebstahl professionell Boni missbrauchen und/oder auch gestohlene Zahlungsmittel verwenden. Im Darknet gibt es etwa hunderttausende Kreditkartendaten für kleines Geld zu kaufen. Der mögliche Schaden kann ein Casino schnell ruinieren.

 

Einkommens-, Vermögens- oder Gehaltsnachweis bei Casinogewinn

In letzter Zeit häufen sich Beschwerden, dass mehr und mehr Online Casinos nach Gewinnen einen Einkommensnachweis, Vermögensnachweis oder Gehaltsnachweis anfordern. Prinzipiell sehen wir dies kritisch. Wenn du nicht gleich einen Anwalt einschalten möchtest, führt kein Weg an diesen Dokumenten vorbei. Dies hängt mit zwei Dingen zusammen. Einerseits soll so der Spielerschutz sichergestellt werden. Zuletzt wurden insbesondere in UK Online Casinos zu Strafen verurteilt, weil sie Menschen mit normalen Einkommen riesige Beträge verspielen ließen. Mit dem Gehaltsnachweis können Casinos der Regulierungsbehörde beweisen, dass dieser Spieler im Rahmen seines Budgets spielte.

Aber ein Gehaltsnachweis belegt auch, dass die Einsätze im Online Casino nicht aus kriminellen Handlungen stammt. Klassische Beispiele sind etwa gestohlene Kreditkarten oder Paysafekarten. Die meisten Online Casinos akzeptieren als Gehaltsnachweis eine normale Lohnabrechnung. Schwieriger wird es da schon, wenn man nicht angestellt ist. Rentner etwa können neben der Rentenbescheinigung auch Kontostände oder andere Belege senden. Wobei hier erneut Vorsicht angebracht sein sollte, denn diese Daten gehen nunmal eigentlich niemanden etwas an. Selbstständige können neben der Steuererklärung auch eine monatliche Umsatzsteuer Voranmeldung einreichen.

 

Dokumentenanfragen als Schikane

All die aufgeführten Gründe rechtfertigen unserer Meinung nach diese Anfragen nach Perso, Adressnachweise wie Strom- oder Nebenkostenabrechnung, Reisepass oder Screenshot. In einzelnen Fällen können wir sogar nachvollziehen, wenn Casinos Bilder vom Kunden mit dem Ausweis in der Hand verlangen, gleichwohl dieser Vorgang schon ziemlich entwürdigend ist und es oft auch andere Mittel auf Seiten der Casinos gibt, die Identität zu überprüfen. Und auch Bilder vom Kontoauszug oder der Kreditkarte – sofern persönliche Angaben wie Kontostand oder der Mittelteil der Kreditkartennummer unkenntlich gemacht wurde – können angebracht sein. Jedoch gibt es Casinos bei denen leider Kunden bis zur Auszahlung einen Spießrutenlauf erleben müssen. Dazu kommt, dass auch die fachliche Kompetenz mancher Angestellter in den Sicherheitsabteilungen eher schlecht ist. Viele der Risk & Fraud Analysten sind keine deutschen Muttersprachler, was weitere Probleme gerade bei kleineren Casinos erzeugt.

Datenschutz

Ein Punkt, der bei uns nach wie vor für graue Haare sorgt, ist der Datenschutz auf der Seite der Casinos sowie auch die mangelnde Sorgfalt beim Kunden. Wir kennen viele Fälle, in denen Kreditkarten komplett gescannt und an den Kundendienst eines Casinos gesendet wurden. Zwar müssen die Angestellten in den meisten Onlinecasinos sogar ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, doch macht Gelegenheit bekanntlich Diebe. Dazu kommt auch, dass bei einigen Casinos nicht perfekt mit Kundendaten umgegangen wird. Viele Angestellte können deine Dokumente einsehen – und somit auch theoretisch stehlen. Mache darum wirklich bei allen Dokumenten – Ausweis ausgenommen – alles, was nicht relevant ist, unkenntlich.

 

Mache Screenshots von den AGB

Damit Online Casinos überhaupt Dokumente anfragen können, muss dies in den AGB geregelt sein. Daher solltest du bei Problemen die englischen Terms and Conditions komplett abfotografieren/ von diesen Screenshots erstellen.

 

Fazit

Wenn du in einem Casino ohne Stress bei der Auszahlung deiner Gewinne spielen möchtest, solltest du dein Konto gleich bei der Anmeldung verifizieren. Nutze nur Zahlungsmethoden, die in deinem Namen laufen. Achte ganz genau darauf, dich mit deinen richtigen Daten anzumelden. Wir kennen Fälle, bei denen selbst ein kleiner Zahlendreher beim Geburtsdatum zur Kontoschließung geführt hat. Wenn du einen Fehler bei deinen Daten entdeckst, schreibe selber den Support an.

Eine weitere wichtige Rolle spielt außerdem die Auswahl der Casinos selber. Seriöse und vertrauenswürdige Onlinecasinos findest du hier.