Abgezockt von der russischen Casinomafia

manipulierte spielautomaten erkennen

Zocken mit Gewinngarantie – russische Casino-Mafia erleichtert weltweit Spielbanken um Millionen

Hand aufs Herz – wer liebt sie nicht, die Räuberpistolen mit charmanten Gaunern? Wenn Matt Damon, Brad Pitt und Gerorge Clooney in Ocean’s Eleven das größte Casino in Las Vegas um einen zweistelligen Millionenbetrag erleichtern wollen, drücken wir den Dieben die Daumen.

Aber Filme wie Ocean’s Eleven sind ja auch reinste Fiktion? Mitnichten, die Casino-Mafia scheint eine größere Rolle im Glücksspiel zu spielen als bisher angenommen. Bis jetzt wurde der großen Betrug vor allem im Bereich der Cyber-Kriminalität vermutet. Hierzu zählen etwa Geldwäsche, Kreditkartenbetrug und Identitätsdiebstahl. Aber unserer Kollegen von wired kamen jetzt einer ganz großen Story auf die Spur.

Vladimir Putin sorgte 2009 für ein weit gehendes Glücksspiel-Verbot in Russland. Viele große Kasinos und Spielbanken mussten schließen. Die Spielautomaten wurden teilweise entsorgt, großenteils aber verkauft. Und hier beginnt der Millionenbetrug.

Random Number Generator

Das Herz eines einarmigen Banditen ist der sogenannte RNG (Randon Number Generator), zu deutsch Zufallsgenerator. Komplizierte Algorithmen sollen sicherstellen, dass jedes Ergebnis zufällig ist. Auch wenn das Casino langfristig mehr einnimmt, als es wieder an den Spieler auszahlt, so sind dennoch riesige Gewinne im Verhältnis zum Einsatz möglich. Diese Zufallsgeneratoren sind mitunter besser geschützt als die Rezeptur von Coca-Cola.

Doch nachdem dutzende Automaten unterschiedlicher Slots der russischen Bande legal in die Hände gefallen waren, machten diese sich daran, den Quellcode und die Funktionsweise der Zufallsgeneratoren offen zu legen. Dieses neudeutsch Reverse Engineering genannte Verfahren war erfolgreich.

Pseudozufallszahlengenerator

Viele Video-Slots verfügen nicht über einen unberechenbaren, sondern über einen als deterministisch bezeichneten Zufallszahlengeneratoren. Die Ergebnisse in Form von Pseudozufallszahlen sehen zufällig aus und fühlen sich für normale Casinospieler auch zufällig an. Die Ausgänge sind jedoch berechenbar. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet hier mehr Informationen. Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem genügend Daten gesammelt wurden, wussten die Russen, wann ein bestimmtes Ergebnis eintreten würde.

Strohmänner filmten anschließend weltweit ihr Spielverhalten an verschiedenen Slots und schickten es nach St. Petersburg, dem Sitz der Bande. Das aufgenommene Spielverhalten sowie das errechnete Verhalten der Zufallsgeneratoren ermöglichte es nun, den Spielern im Casino mit Vibrationsalarmen Signale zu geben, um den perfekten Zeitpunkt für einen Spin abzupassen. Um bis zu 10.000 US Dollar konnte so ein einzelner Betrüger ein Casino pro Tag erleichtern. Die Beute liegt ersten Schätzungen nach mindestens im zweistelligen Millionenbereich.

Wen hat eigentlich die Casino-Mafia geschädigt?

Betroffene Casinos und Hersteller von Spielen sehen sich als Geschädigte. Doch dieser Eindruck trügt. Mit einem kryptographisch sicheren Zufallsgenerator wären Slots nicht vorhersehbar. Und dies wäre im Sinne aller fair spielenden Spieler. Denn die Gewinne, die unrechtmäßig an die mafia-ähnlich organisierten Banden ausgezahlt wurden, hätten an ehrlich spielende Zocker gehen müssen. Spielehersteller garantieren uns einen bestimmten Auszahlungsschlüssel.

Wenn dieser durch Betrug durch die Casino-Mafia sinkt, müssen die Hersteller diesen Verlust kompensieren. Dies geschieht leider nicht. Letztlich tragen wir als Spieler die Verluste der Casinoindustrie. Verluste, die aus einer Verletzung der Sorgfaltspflicht der Casinos resultieren.

Mit Gauner-Romantik a la Ocean s Eleven hat die Casino-Mafia nicht zu tun.

Dass Betrug im Kasino dennoch auch charmant ablaufen kann, zeigt diese Netzperle aus dem Spiegel von 2004.

Autor: "Forscher" - Status: Experte
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Glücksspiel interessierte mich schon immer. Sei es früher beim Familienurlaub ein paar Runden Pfennig-Skat oder später mit Freunden in der Kneipe 17 + 4. Zocken liegt mir im Blut. Seit 2009 bin ich selber Teil der Glücksspielbranche. So habe ich unter anderem für BetClic, expekt, BetVictor, Cherry Casino, Quasar Gaming und Tipico in den Bereichen Kundendienst, Marketing, Content und Operations jede Menge Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile, wenn ich mich nicht gerade auf casinoFM mit allen Arten des Glücksspiels befasse, arbeite ich als Selbstständiger für verschiedene Online-Casinos.

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